Dermatologie & Allergologie
Masern: Diagnose
Masern
Definition
Akute, hochkontagiöse Viruserkrankung, die durch ein Morbillivirus verursacht wird und in entwickelten Ländern milde verläuft, während der Schwangerschaft jedoch eine Embryopathie verursachen kann. Überstandene Krankheit hinterlässt lebenslange Immunität.
Erreger
- Masernvirus</p>
- infiziert ausschließlich Menschen
- ein Geno- und Serotyp
- möglicherweise Abstammung von einem tierischen Morbillivirus (nächster genetischer Verwandter ist das Rinderpestvirus)
- Infizierte scheiden Virus in Sekreten des Nasen- und Rachenraumes sowie im Urin aus
- Übertragung von Mensch zu Mensch vornehmlich durch Tröpfcheninfektion
Inkubationszeit
9–14 Tage
Symptome
Prodromalstadium
uncharakteristische Symptome über 3–4 Tage mit:
- Rhinitis
- Konjunktivitis
- leichtem Fieber
- Pharyngitis
- Laryngitis und Husten
- Bronchitis
- Koplik'sche Flecken an Wangenschleimhaut (Höhe der Molaren), evtl. vor den Gaumenbögen 1–3 Tage vor
Exanthemausbruch. Nach 3–4 Tagen Übergang zum Enanthem (wichtig zur Sicherung der Diagnose)
Exanthemstadium</p>
etwa ab 13.–14. Tag nach Infektion
- Exanthem; Effloreszenzen 2–5mm im Durchmesser, leuchtend rot, leicht erhaben, verschwinden auf Druck mit Glasspatel, später konfluierend; Ausbreitung: hinter den Ohren, dann Gesicht (besonders im Mundbereich), Brust und Rücken, Arme, zuletzt Beine
- steiler Fieberanstieg bis 40° C, Abfall nach 5 Tagen
- starker Husten
- Lichtscheu
- Anschwellen der submandibulären Lymphknoten
- Pseudoappendizitis (cave: Operation! Blutbild)
- Blutbild: Leukopenie von 3000–4000/mm³, Linksverschiebung, keine Eosinophilie
- Höhepunkt nach 2–3 Tagen, Abblassen nach weiteren 1–3 Tagen in gleicher Reihenfolge (siehe oben)
Infektiosität
Ein Tag vor Beginn der Prodromalsymptome bis ca. 4 Tage nach Ausbildung des Exanthems
Diagnostik
- klinisches Bild: Konjunktivitis, Husten (bellend), Reizbronchitis, Koplik-Flecken (= weiße Stippchen auf roten Flecken an der Wangenschleimhaut hinter den Mundwinkeln), typische Exanthemausbreitung
- masernspezifische IgM-Antikörper sind ~3–4 Tage nach Beginn des Exanthems nachweisbar
- Riesenzellen im Nasenabstrich (Giemsa-Färbung)
- direkter Virusnachweis in Sekreten oder Urin
Komplikationen
Durch das Masernvirus selbst oder Mischinfektion mit Strepto-, Staphylo- und Pneumokokken
- Bronchopneumonie (persistierendes Fieber!)
- Masernkrupp und Glottisödem
- Otitis media (häufig, Ohrenuntersuchung ab 5. Tag!)
- Pemphigoid
- Meningitis, Enzephalitis (1–2 pro 1.000 Maserninfektionen, davon verlaufen 25% letal, 1/3 der Überlebenden hat bleibende schwere Folgeschäden)
- Aktivierung einer Tuberkulose
- gastrointestinale Symptome bei Säuglingen und Kleinkindern
- Riesenzellpneumonie bei Erkrankten mit Immundefizienz
- subakut-sklerosierende Panenzephalitis (Spätkomplikation)
Andere Verlaufsformen
- mitigierte Masern: blasses Exanthem, leichter Verlauf
- hämorrhagische Masern: Blutungen ins Exanthem, schwerer Verlauf; vor allem in afrikanischen Ländern verbreitet
- toxische Masern: Kreislaufkollaps und Herzversagen
- atypische Masern: urtikariell, vesikulös u.a.; nach kombinierter Tot-Lebend-Impfung und späterem Wildviruskontakt (Diagnose durch Antikörperbestimmung)
Differenzialdiagnose
- Scharlach: keine Prodromi, blasses Perioralgebiet; Jürgensen'sche Kneifprobe meist positiv
- Röteln: Exanthem konfluiert nicht; nuchale Lymphknoten; im Blutbild Plasmazellen
- Arzneimittelexanthem: Exanthem am ganzen Körper gleichzeitig auftretend, oft besonders stark an Streckseiten der Extremitäten; Eosinophilie
- Masernkrupp
- Diphtheriekrupp?
Prognose
Im Allgemeinen gut; schlecht bei gleichzeitigem Auftreten mehrerer Komplikationen oder in Verbindung mit anderen Infektionskrankheiten (Scharlach, Pertussis, Tbc, Diphtherie). Erhöhte Gefahr der Masernenzephalitis im Präpubertätsalter (7.–11. Lj.). Spätschäden oft noch Jahre nach klinisch manifester Maserninfektion. Schwere Verlaufsformen sind häufig mit Vitamin-A-Mangel (Entwicklungsländer) assoziiert
Letztes Update:5 März, 2009 - 11:33








